Sonntag, 3. September 2017

Ich weiß nicht, wie es euch so geht...

... aber ich habe die ersten drei Wochen in der Schule wirklich gekämpft. Noch nie hatte ich den Eindruck, dass es den Kindern so schwer gefallen ist, nach den Ferien wieder anzukommen. Oder lag es daran, dass ich mich selber selten so schwer getan habe? Vermutlich war es die Kombination.


Die Kinder waren (und sind zum Teil immernoch) extrem laut, viele haben gar nicht reagiert, wenn man ihnen etwas gesagt hat. Und gehört haben sie Anweisungen ohnehin nur, wenn man selber extrem laut redete. In einem Ton, der mir selber so gar nicht zusagt! Weder hörten sie mit etwas auf, noch räumten sie etwas weg oder befolgten andere Anweisungen, die von der Lehrerin ausgingen. Ich fing schon an, an  mir zu zweifeln und grübelte jeden Tag, wie man gemeinsam wieder in die Spur kommen könnte. Auch herrschte eine extreme "motorische" Unruhe in der Klasse, was mich zeitweise wirklich verrückt gemacht hat.

Zum Glück berichteten mir die Kolleginnen von Ähnlichem und ich beobachtete das auch in den anderen Klassen, in denen ich unterrichte. Bleibt die Frage: Woran liegt das?

Mir ist völlig klar, dass es ein Weilchen dauert, um wieder in den Schulrythmus hereinzukommen - für die Kinder und auch für uns LehrerInnen. Ist ja nicht mein erster Neustart nach den Sommerferien. Aber... so hart war es für mich noch nie!

Tja, was tun?

Erstmal deutlich mehr Bewegung in den Unterricht einbauen. Das hilft ja eigentlich fast immer. Leider blöd, wenn die Kinder danach erstmal 10 Minuten brauchen um wieder zur Ruhe zu kommen :o( *nerv Naja, auch da bringt die Übung Routine.

Dann haben wir gaaaaaaaaaaaanz viel und gaaaaaaaaanz lang gesprochen. Klassenrat und kurze Rückmeldungstreffen, so oft es ging. Zusammen haben wir drei Regeln festgelegt, an die sich zu Zeit nur wenige gerne halten:

1. leise sein/arbeiten
2. melden + zuhören
3. auf die Lehrerin hören

(ganz kurz und knackig formuliert!)

Dazu gibt es ein Tabelle an der Tafel, in die jede Lehrerin einträgt, wie es in der Stunde geklappt hat. Das hat in der ersten Woche nur wenig gebracht. In der zweiten wurde es schon besser. Gegenseitig machen sich die Kinder nun auch aufmerksam leiser zu sein. Das wirkt ja oft besser, als wenn es immer die Lehrperson tut. Es gibt eine bestimmt Anzahl an :o( die nicht überschritten werden darf. Ansonsten müssen die Kinder die Konsequenzen dann tragen... 

Jetzt bin ich gespannt, wie die vierte Woche verläuft... Mir graut schon vor den Herbstferien. Wenn es bis dahin endlich wieder läuft, fange ich dann hinterher wieder von vorne an?

Parole: Durchhalten und konsequent bleiben! 





PS: Es wurde nach den Konsequenzen gefragt...
Zum Einen gibt es als Belohnung eine "goldene Stunde",
die ich mir dann irgendwo abzwacke und in der wir gemeinsam
etwas Schönes machen. Rausgehen, spielen etc.
Zum Anderen zwacke ich den Kindern eine Stunde ab,
weil wir ja durch ihr Verhalten nicht so wirklich weitergekommen
sind. Dann machen wir, weil es ja scheinbar nötig ist, Klassenrat
und besprechen noch einmal was schief lief. Und den Rest der
Stunde müssen wir dann Dinge nachholen, die wir nicht geschafft
haben. Da fällt dann leider eine der Stunden aus, die sie eigentlich
gerne mögen. Es muss manchmal auch ein bisschen "weh tun",
wenn ihr wisst, was ich meine.k
Ab morgen gilt: Wenn die Kinder am Tag mehr gute Smileys als
schlechte sammeln, erhalten sie einen "Tagessmiley" auf dem Weg
zu unserem Ausflug, zu dem wir eingeladen sind. Das funktioniert
nämlich nur, wenn ich mich auf die Kinder verlassen kann und sie
auf mich hören. Und Kinder, die schon in der Schule nicht darauf
hören, was die Lehrer sagen, werden das vermutlich auch nicht auf
dem Ausflug machen und dieses Risiko kann ich nicht eingehen.
Da müssen sie jetzt als Klasse mal ZUSAMMEN gucken und
arbeiten, damit das klappt. Das Ziel ist aber human gesteckt ;o)
Sie können also locker die nötige Anzahl der Smileys schaffen,
wenn sie sich auch nur ein bisschen Mühe geben. Ich bin zuversichtlich...



Kommentare:

  1. Ohje, hört sich nach einem angespannten Schulanfang an, den man sich vorher ja immer ganz anders vorstellt. Durchhalten und konsequent sein, mehr kann ich dir leider nicht raten, manchmal auch die 9 gerade sein lassen, denn wenn ich eins aus den letzten vier Jahren gelernt habe, es wird nicht besser, nur weil ich es gerne will.
    Ich glaube, ich habe zu oft an meinen Erwartungen gehangen - hat der Unterricht dem nicht entsprochen, war ich enttäuscht und bin am nächsten Tag noch angespannter in den Unterricht gegangen. Ein Teufelskreis für mich - nicht für die Kinder - ich fand alles zunehmend anstrengender. Dies habe ich allerdings erst jetzt erkannt.
    Du gibst dein Bestes und willst dies auch für die Kinder - perfekte Voraussetzungen, es wird schon werden. Versuche deinen Blick auf das, was klappt zu orientieren! Ich wünsche dir steife Ohren, starke Nerven und eine rosarote Brille! Bin mir aber sicher, in ein paar Wochen wirst du uns etwas positiveres berichten

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  2. Ich drücke die Daumen, dass es besser wird! Meine Zweitis sind auch genauso drauf wie früher: die Strebsamen streben und die NErvigen nerven... (Hoffe, das ist nicht zu provokant formuliert)
    LG, Katha

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  3. Liebe Valessa,

    du sprichst mir aus der Seele. Auch meine Klasse ist sehr laut und unruhig. Sie benötigen für alles sehr viel Zeit und ohne zu reden klappt fast gar nichts. Da braucht man als Lehrerin echt gute Nerven und viel Durchhaltevermögen.
    Ich hoffe, dass es sich jetzt nach etlichen Gesprächen und wiederholen der Klassenregeln wieder besser wird und mehr Ruhe einkehrt.

    Ich wünsche dir auch noch viel Durchhaltevermögen und gute Nerven.
    Liebe Grüße aus Niedersachsen

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  4. Liebe Valessa,

    da wünsche ich dir starke Nerven und gutes Durchhaltevermögen. Mir geht es ähnlich, wobei ich an einer neuen Schule angefangen habevund mich noch eingewöhne und meine Erstklässler natürlich alles erst noch lernen müssen - wobei einige Sachen eigentlich aus der KITA und von zu Hause bekannt sein sollten. Die ersten Wochen sind immer schwer und das Jahr 2017 ist für viele glaube ich bisher eher komisch verlaufen. Also, durchatmen, lächeln und morgen wieder von vorne.

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  5. Ich beobachte das auch in meiner Klasse. Allerdings habe ich eine 1. Klasse und scheinbar lernen nur die Wenigsten Regeln im Elternhaus und KiTa kennen. :( Was mich am meisten nervt: sie hören nicht zu (und da sind sie konsequent)... Also bin ich jetzt konsequent: ich erkläre es einmal und lasse es nur von einem Schüler wiederholen. Die ersten Elterngespräche laufen jetzt schon...
    Grüße aus dem Rhein-Main-Gebiet

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  6. Liebe Valessa,
    dieses Phänomen konnte ich bei mir und bei meinen Kindern auch beobachten... Noch nie (!!!) waren wir vier so unmotiviert, obwohl wir die Ferien wirklich "bis zum Äußersten" ausgeschöpft haben. ... Ich bin am Donnerstag mit neuen Erstklässlern gestartet; da konnte ich das allerdings nicht feststellen (zum Glück!)
    Dir noch gutes (konsequentes) Durchhaltevermögen. DU SCHAFFST DAS!!!
    Lieben Gruß Elli

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  7. Bei uns ist es dieses Jahr auch extrem. Alle Regeln sind vergessen und Ruhe kennen Sie nicht.... das kostet viel Kraft!
    Allen gute Nerven!

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  8. Liebe Valessa,
    ich habe eine Jahrgangsmischung Klasse 3/4 und habe jetzt also Kinder abgegeben und neue dazubekommen. Durch diesen Austausch ist es bei mir wirklich ruhiger geworden dieses Jahr. Ich hatte zwar auch schon ein Elterngespräch mit Schulleitung, aber sonst läuft es eigentlich ganz gut.
    Wie sehen denn deine "Konsequenzen" aus, wenn sich die Kinder nicht an die Klassenregeln halten?
    Ich wünsch dir viel Erfolg und hoffe, dass bei dir langsam alle wieder in Trab kommen!
    Liebe Grüße,
    Katharina

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  9. Hallo Valessa,
    ich habe nach den Ferien an einer neuen Schule begonnen und eine 4. Klasse übernommen. Mir geht es ganz genau so! Die ehemalige Klassenlehrerin hatte mich schon vorgewarnt, dass die Klasse sehr unruhig ist und eine Klassengemeinschaft kaum vorhanden ist. Ich arbeite nun täglich daran, dass die Regeln eingehalten werden. Ganz grundsätzliche Dinge, wie z.B. nicht etwas reinrufen, das total unwichtig ist. Oft ruft einfach ein Junge: Ich hab Hunger...ich hab Durst usw. Sowas kannte ich von meiner alten Klasse nicht :-D Für diese hier ist das normal. Genauso wie das Vergessen von Hausaufgaben oder Turnbeuteln... Es wird besser, aber besonders nach den Wochenenden war es immer wieder schwer :-(
    Mich würde mal interessieren, wie bei dir die Konsequenzen aussehen?
    Liebe Grüße!

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  10. Guten Morgen!
    Ich habe eine Eingangsstufenklasse (1+2) und somit auch wieder neue Erstklässler dabei. Zum Glück kann ich über eine "unnormale" Unruhe nicht klagen, aber ich fühle mich schon wie ein Daueranimateur und emotional und kräftemäßig sehr ausgelutscht... nach erst gut 4 Wochen. Ich habe mir aber zum Ziel gesetzt, ganz regelmäßig (mindestens 2x am Tag) Mini-Tänze durchzuführen. Die starten dann wenn die meisten mit Umräumen (zum Lehrerwechsel oder zwischen längeren Arbeitsphasen) fertig sind. Dann sind die Bummler etwas motivierter sich zu beeilen oder machen die Arbeit dann wenigstens vergnügt, ohne, dass sie "einen auf den Deckel bekommen" weil sie so bummelig sind. Die Tänze enden dann am bereits vorbereiteten Tisch, sodass es gleich losgehen kann. Als Bewegungseinheiten habe ich bislang verschiedene Bewegungslieder (selbst mit Gitarre begleitet) genommen, aber auch sehr schön sind Mnitänze mit CD (Lollipop-Sitztanz, Schubiduatanz, "Moto-Rik", Veo-Veo, AEIOU-Tanz). Es macht eine gute Stimmung und die Kinder sind tatsächlich konzentrierter. Ich unterrichte auch Musik in der Klasse und kann somit auch schon mal Zeiten aufteilen.
    Wer andere gute Tänze ohne Choreographie im Raum hat oder gute Materialien kennt, darf gerne kommentieren.
    Liebe Grüße, Kristina

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  11. Hallo Valessa. Du beschreibst alles so treffend, dass es mich in letzte Schuljahr zurückversetzt... da hate ich fast das ganze Jahr das Gfühl mit den Kindern nicht 'warm' zu werden. Zum Schluss - als feststand, dass ich die Schule verlassen werde - habe ich aber bemerkt, dass es scheinbar nur mir so ging bzw nu ich das so gesehen hatte. Die Eltern 'trauerten' nahezu um mich und die Kinder waren die letzten zwei Wochen so lieb und aufmerksam...

    Ich kann nur sagen 'Kopf hoch!' Behalte die Regeln bei, versuche die Kiddies weiterhin zu motivieren sich daran zu halten. Meiner Meinung nach machst du alles richtig, bleib dran! und vor allem, bleib konsequent! Die liebevolle Strenge ist das, was bei meinen Kids immer gezogen hat und genau diese Kinder kommen dich dann später immer wieder besuchen bzw. sind sooo erfreut, wenn sie dich mal auf der Straße treffen. :) Liebe Grüße, Martina

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  12. Hui, da bin ich dann ja mal gespannt, was mich am Montag erwartet, wenn es bei uns endlich wieder los geht... Vielleicht sollte ich schonmal Vorkehrungen treffen ;-).
    Viel Kraft dir weiterhin!
    Liebe Grüße
    Anna

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  13. Hallo,
    du bist ja motiviert ohne Ende und machst sehr viele tolle Sachen für deine Schüler. Ich hab das Gefühl, je mehr man sich Mühe gibt tolle Stunden und AB zu machen, umso "normaler" ist das für die Schüler und es wird wie selbstverständlich eingefordert bzw. sie wissen es gar nicht mehr zu schätzen. Wenns gar nicht besser wird, könntest ja in deinem Klassenrat mal zwei Arbeitsblätter vorlegen. Eines wie du Lust hast Unterricht vorzubereiten wenn sich alle an die vereinbarten Regeln halten, eines das den Zweck auch erfüllen würd, aber halt nicht so ansprechend aussieht. (oder mal eine eher nüchterne Stunde und eine spannende zu einem HSU Thema) Ich weiß jetzt grad nicht welche Klasse du hast, ich denke aber das würden alle Jahrgangsstufen verstehen.
    Fazit, deine Motivation für die Unterrichtsvorbereitung steigt mit ihrer Motivation sich angemessen am Unterricht zu beteiligen und die Regeln einzuhalten.
    Kopf hoch!
    Vg Katrin

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  14. Hi Valessa. Ja geht mir auch so. Und auch letztes Jahr hat es bis zu den Herbstferien gedauert, eh die Kinder wieder in den Schulrhytmus und die Gegebenheiten reinkamen. Ich versuche es entspannt zu nehmen...liegt aber mehr daran, dass andere Baustellen gerade Priorität haben. Letztes Jahr habe ich mehr, eben wie es dir geht, an mir gezweifelt. Bitte halte durch...es wird auf jeden Fall besser. Liebe Grüße

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  15. Ach ihr Lieben...wie gut es tut, das alles zu lesen...bin seit vielen Jahren motiviert im Schuldienst und habe eine neue erste Klasse, die mich trotz allen Maßnahmen soooo viel Energie kosten und mich zweifeln lassen. Ich erfinde mich jeden Tag neu und bleibe am Ball...aber abends fühl ich mich einfach nur noch platt... es tut gut zu lesen, dass es euch auch so geht

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Bei Fragen zum Passwort bitte keinen Kommentar posten, sondern in einem der beiden Blogs lesen. Dazu gibt es genügend Beiträge. Danke!

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